2.10.2014 – Offener Brief eines SPD-Mitgliedes an den MP Torsten Albig

Offener Brief an den Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein, Torsten Albig.

 Lieber Torsten,

der dänische Verkehrsexperte Knud Erik Andersen warnt im Schleswig-Holstein Magazin vor höheren Kosten als ursprünglich kalkuliert. Auch Per Homann Jespersen, Wissenschaftler für Transportplanung und -Politik der Universität Roskilde sagte dem Schleswig-Holstein Magazin, dass die Baukosten seit dem Jahr 2007 um mehr als eine Milliarde Euro gestiegen seien.

Mit ursprünglich kalkulierten Kosten über 817 Millionen Euro für die Umsetzung der festen Fehmarnbelt Querung/ Hinterland Anbindung haben die Mitglieder des Deutschen Bundestages mehrheitlich den Staatsvertrag (incl. Art 22, mit einer Ausstiegsmöglichkeit) mit Dänemark verabschiedet.

Inzwischen, vor dem ersten Spatenstich, rechnet der Bundesrechnungshof bereits mit 2,5 – 3 Milliarden Euro für die Hinterland Anbindung in Deutschland.

Nicht kalkuliert sind 55 km Bahn-Neutrassierungen lt. Raumordnungsverfahren der Landesplanungsbehörde durch Ostholstein, eine neue Sund-Querung, neue Haltepunkte, kreuzungsfreie Bahnübergänge und volkswirtschaftlich Verluste in unbekannter Höhe für die Anlieger im Lärmkorridor.

Ohne eine, immer wieder geforderte, aktualisierte Nutzen – Kostenrechnung !

„Die Wirtschaft“, die jetzt ungeduldig auf Aufträge wartet, hat in einer PPP-Runde der Kanzlerin die Rote Karte gezeigt:  Keine Beteiligung an der Querung ohne Staatsgarantien. Die Bankenvertreter sehen keine Chance für eine rentierliche Refinanzierung. Das Risiko soll, wieder einmal, der dumme Steuerzahler übernehmen. Zur Erinnerung an frühere Zeiten und hoffentlich nicht vergessen….Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren…nicht unbedingt die Handlungsweise von Sozialdemokraten.

6 – 8. 000 Fahrzeuge (incl. Alkoholtourismus) täglich sind ein zu geringes Verkehrsaufkommen für diesen unglaublichen Milliardenaufwand ! Zum Vergleich, Höhe Bad Schwartau passieren täglich 50.000 Fahrzeuge die Autobahn.

Das gesamte Vorhaben erscheint völlig überdimensioniert, droht ein Stuttgart 21 des Norden ? Berlin und Hamburg sollten uns nachdenklich machen..

Angesichts der weitgehend maroden Verkehrs-Infrastruktur überall im Land, lieber Torsten, ein Appell den Kurs neu zu überdenken.

 

Mit freundlichen Grüßen

Peter Ninnemann

www.spd-timmendorfer-strand.de

ps.

Sorry, die Vergleiche mit der Öresundregion sind untauglich. Hier werden zwei Großstädte miteinander verbunden – die feste Fehmarn Beltquerung verbindet eher zwei Rapsfelder miteinander. 75% der Industriegüter werden lt. Kammer inzwischen auf Jütland produziert.

Kultureller und wirtschaftlicher Austausch ist längst Alltag und wird nicht durch lärmende Güterzüge befördert.

Ein Gedanke zu „2.10.2014 – Offener Brief eines SPD-Mitgliedes an den MP Torsten Albig“

  1. Lieber Peter Ninnemann,
    danke für diesen offenen, kenntnisreichen und mutigen Brief an Herrn Albig.
    Die Bevölkerung von Ostholstein kämpft gegen die drohende Zerstörung dieser noch
    halbwegs heilen Region, aber die Politik verschließt die Augen. Jeder besseren Erkenntnis zum Trotz verbreiten unsere gewählten Politiker Durchhalteparolen für ein total überdimensioniertes Projekt. Herr Albig ist Ministerpräsident dieses Landes, aber wo steht er?
    Die Welt durchlebt eine historische Krise und hier plant man Tunnel und Hinterlandtrassen, die niemand braucht.
    MfG Marita Arent, Scharbeutz

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